10. BONNER JUGENDOPEN

 

Von Walter Blumenberg und Thorsten Hennings

 

Vom 25.6.-3.7.98 fand im Gustav-Heinemann-Haus in Bonn das 10. Bonner Jugendopen mit 101 Teilnehmern statt. Organisation, Finanzierung und Durchführung lagen in der Hand des Schachklubs im Gustav-Heinemann-Haus (verantwortlich: Walter Blumenberg), die Turnierleitung übernahm der Schachclub Bonn/Beuel (Thorsten Hennings).

 

Das Turnier wurde von mindestens 7 Teilnehmern als Vorbereitung auf die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft genutzt. Entsprechend stark war es insbesondere in der Spitze besetzt.

 

Im Hauptturnier (39 Teilehmer) gab es den erwarteten Favoritensieg. Der an Nummer 1 gesetzte NRW-Jugendmeister Thomas Keller (Godesberger SK) gewann souverän mit 7,5 Punkten vor dem überraschend starken Markus Schlicht (Brühler SK), Vorjahressieger und NRW-Vizemeister Gunnar Jacob (SK Ochtrup), Dauerteilnehmer Carsten Wegner (bereits zum 7. Mal dabei, SG Porz) und Michael Blum (Godesberger SK) mit jeweils 6.5 Punkten. Die Plätze 6 und 7 gingen an Robert Philipowski (SC Bonn/Beuel) und Christian Seel (SG Porz) mit 6 Punkten.

 

Thomas Keller startete mit 7 Punkten aus 7 Partien, patzte in Runde 8 gegen den zweitplazierten Markus Schlicht und brachte in der letzten Runde (Remis gegen Vereinskamerad Michael Blum) das Turnier souverän nach Hause. Markus Schlicht verlor nur in Runde 3 gegen Robert Philipowski und hatte von allen Teilnehmern die stärkste Gegnerschaft (Buchholzzahl 52,5). Vorjahressieger Gunnar Jacob hatte in der Mitte des Turniers eine kleine Schwächeperiode, unter anderem konnte er die im Vorfeld von Vielen als entscheidend angesehene Partie in Runde 6 gegen Thomas Keller nicht halten.

 

Im Nachwuchsturnier (42 Teilnehmer) zeigte das schöne Geschlecht, daß Frauen mindestens genauso gut Schach spielen können wie Männer. Zwar gewann Jan Steffens (SV Wermelskirchen) mit 7 Punkten, aber die Plätze 2 und 3 gingen an Sara Hinske (SV Horrem) und Leah Ebner (SV Ubbedissen) mit jeweils 6,5 Punkten, vor Christian Piller (SV Wermelskirchen, 6,5 Punkte), Alexander Upitz (SF Kray), Tae-Yeon Shin (vereinslos, 6 Punkte) und Ramy Azrak (vereinslos, 6 Punkte aus 7 Partien).

Sara Hinske verschenkte im wahrsten Sinne des Wortes den Turniersieg. In Runde 7 hatte sie gegen Ramy Azrak anzutreten, der jedoch wegen Krankheit nicht zum Spiellokal kommen konnte. Sara wollte den kampflosen Punkt jedoch nicht, fuhr zum Spielen zu Ramy nach Hause und verlor die Partie. Für ihr vorbildliches Verhalten wurde sie von Walter Blumenberg mit einem Fairneßpreis ausgezeichnet. So war der Weg frei für Jan Steffens, der keine Partie verlor und in der letzen Runde auch die Zweitplazierte und in Runde 3 die Drittplazierte schlagen konnte.

 

Das Kadettenturnier (20 Teilnehmer) ist reserviert für diejenigen, die noch nie ein Turnier gespielt haben und gerade wissen, wie die Figuren ziehen. Die Kadetten spielen Schnellpartien (20 Minuten Bedenkzeit) und sie waren mit einem solchen Eifer dabei, daß sie doppelrundig jeder gegen jeden spielten. Es gewann Stefan Brungs (Godesberger SK) vor Christoph Koebe, Friedemann Bieber (beide SK Münster 32) und Kirill Ivanov (Troisdorfer SK). Von ihnen und einigen anderen ist zu erwarten, daß sie im nächsten Jahr bereits im Nachwuchsturnier antreten werden.

 

 

Auch diesmal gab es ein vielfältiges Rahmenprogramm. Blitzturnier, Tandem- und 2er-Team-Blitz, auch ein kleines Betreuerturnier gehören sozusagen zum Standard. Wer sich von der WM-Übertragung nicht gestört fühlte, konnte so lange freie Partien spielen, bis die letzte Uhr kaputt war. Alles das ist normal.

Etwas weniger normal ist ein üppiger Grillabend, zu dem die Clubs eingeladen hatten.

 

Ungewöhnlich war der starke Andrang zu den eher schach- und bauchfernen Aktivitäten. Hoffentlich bekommt niemand einen Schreck, wenn wir das Wort "Kultur" benutzen.

 

So haben wir die Stadt Bonn in einem kleinen historischen Rundgang erlebt, vertieft mit einer fachlich fundierten Führung durch das neu eröffnete Städtische Museum. - Aus Anlaß des Jubiläums hatte uns die Stadt zu einem Empfang ins Alte Rathaus eingeladen. - Bei einer Besichtigung der Feuerwehr konnten die Jüngeren eine Vorstellung bekommen, was es heißt, sich in der schweren Feuerwehrkluft mit 10 kg Ausrüstung einschließlich Atemschutzgerät zu bewegen oder durch den Rauch- und Brandübungskanal zu kriechen. - Den freien Tag mit einer Dampferfahrt nach Bad Hönningen hatten wir uns durch eine Doppelrunde am Samstag "verdient". - Am nächsten Tag gab es gar ein getrenntes Programm für Jüngere und Ältere. Während sich die Jüngeren beim "Schachkegeln" austobten, waren die 15-20jährigen Teilnehmer zu Gast beim Deutschen Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln-Porz.

Nach der Besichtigung einzelner Labors sahen wir das Übungszentrum der deutschen Raumfahrer, wo wir im Inneren eines Modells der Raumfahrtkapsel MIR Raumfahrt zum Anfassen erlebten.

 

Das hört sich alles gewaltig an, weil man so viele Sätze braucht, um das Rahmenprogramm einigermaßen zu beschreiben. In Wirklichkeit gehört beides, die sportlichen und die Freizeitaktivitäten, zusammen. Beide ergänzen sich.

 

Dahinter steht ein eindeutiges Konzept, das sich im 10. BONNER JUGENDOPEN bewährt hat.

Wir wollen kein Turnhallenturnier, bei dem sich morgens Hunderte von Jugendlichen auf Ellenbogenabstand zusammendrängen, um abends wieder auseinanderzustieben, ohne viel mehr im Kopf als Varianten, DWZ und Punkte.

Wir wollen auch keinen Kindergeburtstag mit möglichst viel Fun für die Kids, wo auch noch Schach gespielt wird.

Wir streben ein ausgewogenes Turnier an, das die beiden so oft beobachteten Extreme vermeidet. Was wir wollen ist starkes Schach unter optimalen Bedingungen ergänzt durch niveauvolle Freizeitaktivitäten.

Zugleich möchten wir einen Rahmen schaffen, in dem Freundschaften entstehen können. Das ist der Grund für die lange Dauer des Turniers: 9 Tage. Freunde zu finden braucht Zeit.

Auch die optimale Gestaltung des Turniersaales gehört dazu. Für jedes Brett ein eigener Tisch. Genügend Abstand zum nächsten Brett. Gänge dazwischen, damit man aufstehen und in Ruhe andere Partien verfolgen kann. Wenn jeder seinen Freiraum hat, so trägt dies zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit des Turniers bei. Das ist der Grund für die Begrenzung der Teilnehmerzahl.

 

2/3 der Teilnehmer waren zum 3., 4., 5. 6. Mal dabei. Carsten Wegner, inzwischen Breitensportreferent der SJNRW, hat zum 7. Mal teilgenommen. 25% der Teilnehmer waren Geschwister (auch hier wieder Konzept: Bindungen fördern, Geschwister zahlen die Hälfte).

 

Heinz-Helmich van Schewick, Landtagsabgeordneter NRW, richtete bei der Siegerehrung seinen besonderen Dank an die Betreuer und ehrenamtlichen Helfer, ohne deren Engagement ein Turnier dieses Zuschnitts einfach nicht möglich wäre.

Stellvertretend für alle möchten wir hier nur Frank Hermes (Wermelskirchen) nennen, der das Kadettenturnier betreut hat, eine liebenswerte, aber auch besonders quirlige Gruppe.

"Kann ich helfen?" war ein Satz, den ich oft gehört habe. Ich finde das bemerkenswert in einer Zeit, in der so viele nur an sich denken. Es macht Freude, ein solches Turnier zu veranstalten.